Wissen · Konzeption

Curriculum und Lernziele erstellen: Blended Learning

Von Michael Lederer · Aktualisiert am

Was soll Ihr Kurs verändern?

Ein Curriculum ist die geplante Struktur Ihres Kurses: Es verbindet das übergreifende Kursversprechen mit Modulen, Lektionen, Materialien, Aufgaben und passenden Lernformaten. Entscheidend ist nicht, wie vollständig Sie Ihr Fachgebiet abbilden. Entscheidend ist, was Teilnehmende nach dem Kurs tatsächlich können und im Alltag anders machen.

Als Fachleute verfügen Sie über viel Wissen. Daraus entsteht aber nicht automatisch ein wirksamer Kurs. Eine reine Wissenssammlung beginnt oft mit der Gliederung des Fachgebiets und endet mit angesehenen Videos. Ein auf Veränderung ausgerichteter Kurs beginnt dagegen bei einem konkreten Problem. Er führt zu Handlungen, die sich beobachten lassen.

TransformationNur Information
Start beim Problem der TeilnehmendenStart bei der Gliederung des Fachgebiets
Jedes Modul endet mit einer HandlungModule enden mit „Fragen?“
Übungen im echten AlltagTheorie ohne Anwendung
Feedback, Austausch und Live-TermineAllein mit Videos
Erfolg: danach etwas könnenErfolg: Videos angesehen

Diese Unterscheidung hilft Ihnen beim Kürzen. Ein fachlich spannender Inhalt ist nicht allein deshalb ein notwendiger Kursinhalt. Prüfen Sie, ob er auf die angestrebte Veränderung einzahlt. Weniger Inhalt, der umgesetzt wird, ist sinnvoller als eine große Sammlung, die liegen bleibt. Die Grundlage dafür ist eine klare Zielgruppe für Ihren Online-Kurs.

Wie formulieren Sie das Transformationsversprechen?

Das Transformationsversprechen beschreibt den Ausgangszustand, den Zielzustand und den Weg dazwischen. Es ist der Kompass für die Auswahl Ihrer Inhalte. Formulieren Sie nicht nur, welches Thema Sie behandeln, sondern von welcher konkreten Situation Sie die Teilnehmenden zu welcher beobachtbaren Fähigkeit begleiten.

Die Formel lautet: Von [Ausgangszustand] zu [Zielzustand] in [Zeitraum] – durch [Methode], ohne [Haupteinwand]. Der Satz verbindet damit das Problem mit einer erreichbaren Veränderung. Methode und Haupteinwand machen deutlich, wie der Weg aussehen soll und welche Hürde Sie dabei berücksichtigen.

  • Würde Ihre Persona sagen: „Genau das will ich“?
  • Ist der beschriebene Zielzustand beobachtbar?
  • Ist der Zeitraum realistisch, und können Sie ihn halten?

Der versprochene Weg ist damit zugleich eine Grenze. Er bewahrt Sie davor, alles aufzunehmen, was Sie über Jahre gelernt haben. Neue Themen müssen ihren Platz durch ihren Beitrag zum Ziel begründen, nicht durch Ihre persönliche Begeisterung dafür.

Wie lernen Erwachsene, und was ist ein gutes Lernziel?

Erwachsene bringen Erfahrungen mit und haben wenig Zeit. Ihre Lektionen sollten deshalb mit dem Warum beginnen: Welches aktuelle Problem löst dieser Inhalt? Fragen Sie nach vorhandenen Erfahrungen und knüpfen Sie daran an, statt sie einfach zu überschreiben. Eine klare Struktur hilft; wo es möglich ist, bleiben Reihenfolge und Vertiefung selbstbestimmt.

Anwendung und verteilte Wiederholung gehören ebenfalls dazu. Eine Lektion endet mit einer Aufgabe für den Alltag. Kurze Einheiten über mehrere Wochen verbinden Wissen mit wiederholter Praxis. On-Demand-Inhalte eignen sich für die Wissensvermittlung, während Live-Termine und praktische Aufgaben den Transfer unterstützen.

Ein Lernziel ist kein Themenname. „Die Teilnehmenden lernen Feedback“ beschreibt noch keine beobachtbare Leistung. „Die Teilnehmenden formulieren ein Feedback nach dem 4-Schritte-Modell für eine reale Situation“ benennt dagegen eine Handlung. Die Formel lautet: Wer kann was, woran ist es messbar und unter welchen Bedingungen?

Bloomsche Taxonomie: nach Bloom (1956), überarbeitet von Anderson & Krathwohl (2001).
StufeKönnen nach dem LernenTypische Verben
1 · ErinnernFakten wiedergebennennen, aufzählen
2 · VerstehenMit eigenen Worten erklärenerklären, beschreiben
3 · AnwendenIn einer neuen Situation nutzendurchführen, anwenden
4 · AnalysierenUrsachen und Muster erkennenunterscheiden, untersuchen
5 · BewertenBegründet entscheidenbeurteilen, auswählen
6 · ErschaffenNeues entwickelnentwerfen, gestalten

Gute Fachkurse zielen mindestens auf die Anwendung. Die Stufen helfen Ihnen, zwischen bloßem Wiedergeben und tatsächlichem Können zu unterscheiden. Ein anderes Lernziel aus dem Workbook lautet etwa, in einem Fallbeispiel drei Eskalationssignale zu erkennen. Auch hier wird aus einem allgemeinen Thema eine Leistung, die sichtbar werden kann.

Wie wird aus Lernzielen ein Curriculum?

Der Kurs trägt das Transformationsversprechen. Ein Modul ist ein Zwischenziel auf diesem Weg und erhält ein eigenes Lernziel sowie eine abschließende Aufgabe. Eine Lektion behandelt eine Idee, meist in einem Video von fünf bis zwölf Minuten. Arbeitsblätter, Checklisten oder andere Materialien ergänzen sie. Die Aufgabe übersetzt das Gelernte in eine Handlung im Alltag.

Für einen Fachkurs nennt das Workbook typischerweise vier bis acht Module. Die Zahl allein ist jedoch kein Qualitätsmerkmal. Wichtiger ist, dass die Zwischenziele nachvollziehbar aufeinander aufbauen und jede Lektion einen Beitrag leistet. Eine Lernerfolgskontrolle kann beispielsweise ein Quiz, eine Reflexion, eine Abgabe oder Live-Feedback sein.

Baustein des Curriculum-CanvasWas Sie festlegen
ModulDas Zwischenziel auf dem Weg zum Kursversprechen
LernzielDie beobachtbare Fähigkeit nach dem Modul
LektionenDie einzelnen Ideen und ihre geplante Dauer
MaterialDie Unterstützung für Verständnis und Anwendung
AufgabeDie konkrete Handlung im Alltag
FormatOn-Demand, Live, Präsenz oder Community

Füllen Sie diese Struktur aus, bevor Sie drehen oder Inhalte hochladen. Der Canvas wird sowohl zum Plan für die Kursproduktion als auch zur Struktur auf Ihrer Plattform. So müssen Sie Format, Material und Aufgabe nicht erst nach der Aufnahme ergänzen.

Welche Formate passen beim Blended Learning zusammen?

Blended Learning kombiniert On-Demand-Inhalte mit Live- und gegebenenfalls Präsenzformaten. Jedes Format übernimmt dabei die Aufgabe, für die es sich besonders eignet. Sie müssen nicht alles als Video erklären und auch nicht alles in einen Live-Termin legen. Planen Sie die Kombination von Anfang an im Curriculum, statt sie später anzuhängen.

BausteinBesonders geeignet fürMögliche Taktung
On-Demand-VideoWissen, Modelle, DemonstrationJederzeit
Arbeitsblatt oder WorkbookAnwenden, Vorbereiten, ReflektierenPro Modul
Live-Online-TerminFragen, Rollenspiele, FeedbackAlle zwei Wochen
PräsenztagIntensives Üben, Beziehung, NetzwerkOptional einmal pro Kohorte
CommunityAustausch, Motivation, gemeinsames LernenLaufend
PraxisaufgabeTransfer in den AlltagPro Modul
Quiz oder SelbsttestWissen festigen, Fortschritt sehenPro Modul

Ein erklärendes Video lässt sich im eigenen Tempo ansehen. Ein Rollenspiel benötigt dagegen Austausch und Rückmeldung. Eine Praxisaufgabe führt über den Kursbereich hinaus in den Alltag. Die Community bietet Raum für Fragen und gegenseitige Unterstützung. So ergänzt sich die Skalierbarkeit von On-Demand mit der Wirkung gemeinsamer Termine.

Beachten Sie bei der Zuordnung immer das Lernziel. Wenn Teilnehmende etwas durchführen sollen, reicht die Erklärung allein nicht aus. Dafür brauchen sie eine passende Gelegenheit zum Ausprobieren. Wenn es um ein Modell oder einen Zusammenhang geht, kann ein jederzeit verfügbares Video dagegen die gemeinsame Zeit entlasten.

Wie halten Reihenfolge und Quick Win die Teilnehmenden im Kurs?

Beginnen Sie beim Problem, nicht bei der Definition Ihres Fachgebiets. Das erste Modul holt die Teilnehmenden dort ab, wo sie gerade stehen. Danach bauen die Module aufeinander auf: vom Einfachen zum Komplexen, vom Bekannten zum Neuen und von der Vorbereitung zur Durchführung. Das letzte Modul festigt das Können und überträgt es in den Alltag, statt neue Themen zu eröffnen.

Ein Quick Win ist ein kleiner, konkreter Erfolg mit sichtbarem Ergebnis, der in den ersten 48 Stunden erreichbar ist. Er gehört in Modul eins oder zwei. Zusammen mit kurzen Einheiten zeigt er früh, dass der Kurs im eigenen Alltag funktioniert. Planen Sie diesen Erfolg nicht als zusätzlichen Stoff, sondern als erste spürbare Anwendung.

Weitere Unterstützung bieten ein Begrüßungsvideo, eine klare Wochenstruktur, Erinnerungsmails bei Inaktivität und Live-Termine mit fester Uhrzeit. Messen Sie die Abschlussquote pro Modul. Wo viele Teilnehmende abbrechen, sollten Sie genauer hinsehen. Die bloße Zahl angesehener Videos zeigt noch nicht, ob der Transfer gelingt.

Wie machen Sie Fortschritt und Lernerfolg sichtbar?

Gamification bedeutet hier, sinnvolle Spielelemente für Motivation einzusetzen. Ein Fortschrittsbalken macht sichtbar, wie weit Teilnehmende sind. Meilensteine und Abzeichen sollten konkrete Handlungen belohnen. Ein Abzeichen für eine erste Anwendung ist aussagekräftiger als eines für viele angesehene Videos. Auch Freischaltungen können an erledigte Aufgaben statt nur an verstrichene Zeit gebunden sein.

Zeitlich begrenzte Challenges können tägliche Mini-Aufgaben bündeln. Punkte und Ranglisten sollten Sie sparsam einsetzen; gemeinsame Ziele sind oft sinnvoller als Wettbewerb. Ein Teilnahme- oder Abschlusszertifikat kann im B2B-Bereich für die Kostenübernahme wichtig sein. Der Maßstab bleibt: Belohnen Sie Handlungen, nicht bloßen Konsum.

Ebene nach Donald KirkpatrickWas Sie betrachtenMögliche Erhebung
ReaktionZufriedenheit und WeiterempfehlungKurze Umfrage, NPS
LernenNeu erworbenes KönnenQuiz, Aufgaben, Selbsteinschätzung vorher und nachher
VerhaltenAnwendung im AlltagNachbefragung nach 30 bis 90 Tagen
ErgebnisErreichte VeränderungenBei Firmen etwa Zeitersparnis, Beschwerden oder Fluktuation

Zufriedenheit allein beantwortet noch nicht, ob der Kurs wirkt. Gerade Unternehmen interessieren sich dafür, ob das Gelernte angewendet wird und was sich dadurch verändert. Planen Sie deshalb kurze Umfragen nach Modulen, passende Aufgaben oder Quizfragen sowie eine spätere Nachbefragung. Für Firmen kann ein Abschlussbericht die Ergebnisse zusammenführen.

Die Evaluierung gehört bereits in die Konzeption. Wenn Sie vorher wissen, woran Sie Wirkung erkennen wollen, können Sie Lernziele, Aufgaben und Rückmeldungen darauf ausrichten. Ein geeignetes LMS unterstützt die Sammlung dieser Daten. So bleibt Ihr Curriculum nicht nur ein Produktionsplan, sondern wird zur Grundlage für die laufende Verbesserung Ihres Kurses.

Wenn Sie es nicht allein machen möchten

Ihre Akademie beginnt mit einem Gespräch.

Erstgespräch vereinbaren