Was ist eine Zielgruppe für einen Online-Kurs?
Eine Zielgruppe ist eine Gruppe von Menschen mit einem konkreten Problem in einer bestimmten Situation. „Führungskräfte“ oder „Selbstständige“ allein sind deshalb noch keine brauchbare Beschreibung für Ihren Kurs. Erst wenn klar ist, wann und wo eine Schwierigkeit auftritt, können Sie ein passendes Lernangebot dafür entwickeln.
Der teure Fehler beginnt früher als bei der Aufnahme oder Plattformwahl: Sie bauen, ohne zu fragen. Dann kann ein sorgfältig produzierter Kurs unverkauft bleiben, weil das behandelte Problem nicht dringend genug ist oder die angesprochenen Menschen sich in Ihrer Sprache nicht wiedererkennen. Zielgruppenarbeit ist daher keine Ergänzung zum Kursbau, sondern dessen Grundlage.
| Zu ungenau | Konkrete Situation und Problem |
|---|---|
| Führungskräfte | Neue Teamleiterinnen im ersten Jahr, die zuvor Kolleginnen waren und jetzt Kritik aussprechen müssen |
| Selbstständige | Solo-Selbstständige im Handwerk, deren Angebote zu oft unbeantwortet bleiben |
| Menschen mit Stress | Pflegekräfte im Schichtdienst, die nach der Nachtschicht nicht abschalten können |
| Unternehmen | HR-Leitungen in Firmen mit 50–250 Mitarbeitenden, die neue Führungskräfte schnell arbeitsfähig machen müssen |
| Menschen, die Excel lernen wollen | Controlling-Fachkräfte im Mittelstand, die monatlich drei Tage mit manuellen Berichten verlieren |
Eine engere Beschreibung bedeutet nicht, dass andere Menschen nicht kaufen dürfen. Sie entscheiden vielmehr, an wen Sie beim Schreiben, Filmen und Verkaufen denken. Menschen außerhalb dieser Beschreibung können sich trotzdem im Problem wiedererkennen. Die Klarheit hilft Ihnen, ein nachvollziehbares Angebot zu formulieren statt möglichst viele Themen gleichzeitig abzudecken.
Welche fünf Dinge müssen Sie über Ihre Zielgruppe wissen?
Ein Idealkundenprofil beschreibt eine Person so genau, dass Sie ihr einen persönlichen Brief schreiben könnten. Dafür reichen demografische Angaben nicht aus. Sie brauchen sowohl die äußeren Bedingungen als auch das, was diese Person denkt, befürchtet und erreichen möchte. Beides wird zunächst als Annahme festgehalten und später an echten Gesprächen geprüft.
| Dimension | Was Sie verstehen müssen |
|---|---|
| Situation | Wo steht die Person gerade? Welche Rolle und welches Umfeld prägen ihren Alltag? |
| Problem | Was schmerzt konkret, und in welchen Momenten wird die Schwierigkeit spürbar? |
| Bisherige Versuche | Welche Lösungen hat die Person ausprobiert? Was half, und was blieb unbefriedigend? |
| Wunsch | Woran würde sie erkennen, dass sich ihre Situation verbessert hat? |
| Hürden | Was hält sie vom Kauf oder vom Lernen ab? |
Ergänzen Sie die Frage, wer bezahlt. Die lernende Person ist nicht immer die Käuferin. Wenn ein Arbeitgeber das Budget freigibt, beeinflusst dies Preis, Rechnung und Verkaufsseite. Sie müssen dann nicht nur verstehen, was die lernende Person braucht, sondern auch, unter welchen Bedingungen das Unternehmen eine Weiterbildung bewilligt.
Das Profil hat zwei Teile: Fakten wie Rolle, Lebenssituation, Arbeitsumfeld, Budget, verfügbare Zeit und Informationskanäle sowie den inneren Monolog. Dieser zweite Teil umfasst unausgesprochene Sorgen, enttäuschende Erfahrungen und persönliche Wünsche. Er sollte nicht aus Ihrer Fantasie entstehen. Seine Grundlage sind die Formulierungen und Erlebnisse Ihrer Gesprächspartner.
Welches Ergebnis kaufen Menschen wirklich?
Die im Workbook erläuterte Jobs-Theorie geht auf Clayton Christensen, Professor an der Harvard Business School, zurück. Ihr Kern: Menschen kaufen ein Produkt, um eine Aufgabe in ihrem Leben zu erledigen. Für Ihren Kurs heißt das, zwischen dem Unterrichtsthema und dem erhofften Ergebnis zu unterscheiden. Das Thema benennt Ihr Fachgebiet; das Ergebnis erklärt, warum jemand jetzt handeln möchte.
„Gesprächsführung lernen“ beschreibt einen Inhalt. Ein anstehendes Kritikgespräch ruhig und klar führen zu können beschreibt dagegen eine konkrete Veränderung. Ebenso sucht ein Handwerker nicht unbedingt Unterricht über Angebotsgestaltung. Er möchte, dass seine Angebote angenommen werden. Aus dieser Perspektive wird deutlicher, welche Inhalte relevant sind und welche zunächst nicht gebraucht werden.
| Ebene | Leitfrage | Bedeutung für das Angebot |
|---|---|---|
| Funktional | Was soll erledigt sein? | Das konkrete Ergebnis des Lernens |
| Emotional | Wie möchte sich die Person fühlen? | Die persönliche Entlastung oder Sicherheit |
| Sozial | Wie möchte die Person von anderen gesehen werden? | Die gewünschte Wirkung im Umfeld |
Die emotionale und soziale Ebene können den Kauf auslösen; die funktionale Ebene liefert die sachliche Begründung. Beschreiben Sie deshalb auf der Verkaufsseite nicht bloß eine Inhaltsliste. Machen Sie verständlich, welche Aufgabe die Teilnehmenden anschließend besser bewältigen können. Das bleibt an das tatsächliche Leistungsvermögen des Kurses gebunden und ist kein Anlass für übertriebene Versprechen.
Wie finden Sie geeignete Menschen für Interviews?
Ein Idealkundenprofil bleibt zunächst eine Vermutung. Persönliche Gespräche machen sichtbar, wie Menschen die Situation tatsächlich erleben. Umfragen ersetzen das nicht: Im Gespräch können Sie nach konkreten Erlebnissen fragen, Unklarheiten aufgreifen und die Sprache hören, mit der Menschen ihr Problem selbst beschreiben.
Das Workbook empfiehlt fünf bis acht Gespräche von jeweils 20 bis 30 Minuten per Telefon oder Video. Als Zeitrahmen für die gesamte Zielgruppenarbeit nennt es etwa zehn bis vierzehn Stunden über zwei Wochen. Diese Größen sind als Orientierung für die Arbeit gedacht. Entscheidend sind passende Gesprächspartner und wiederkehrende Muster, nicht bloß eine erfüllte Gesprächszahl.
Geeignet sind ehemalige Kundinnen und Kunden, frühere Seminarteilnehmende sowie Menschen aus Ihrem Netzwerk, die gerade in der beschriebenen Situation stecken. Freundliche Bekannte sind keine gute Ersatzgruppe, wenn sie das Problem nicht selbst haben. Auch Kolleginnen und Kollegen aus Ihrem eigenen Fach liefern nicht automatisch die Perspektive der späteren Käufer.
Fragen Sie persönlich, kurz und ohne Verkaufsdruck an. Erklären Sie, für welche Situation Sie ein Angebot entwickeln und dass Sie vor der Erstellung den Alltag verstehen möchten. Ein kostenloser Pilotplatz oder ein Gutschein kann als Dank dienen. Ein Terminlink reduziert Abstimmungen. Fragen Sie zu Beginn des Gesprächs, ob Sie Notizen machen und Zitate anonym verwenden dürfen.
Bei Angeboten für Unternehmen sprechen Sie mit beiden Seiten: der Person, die lernt, und der Person, die entscheidet oder bezahlt. Andernfalls kennen Sie möglicherweise das Lernproblem gut, aber nicht die Bedingungen für den tatsächlichen Auftrag.
Wie führen Sie Gespräche, ohne nur Zustimmung zu sammeln?
Das Workbook beschreibt eine klare Gesprächshaltung: Sie sprechen ungefähr 20 Prozent der Zeit, Ihr Gegenüber 80 Prozent. Es geht nicht darum, Ihre Idee überzeugend zu präsentieren. Es geht darum, zu erfahren, was bereits passiert ist, wie die Person damit umging und warum bisherige Lösungen nicht ausreichen.
- Fragen Sie nach vergangenen Erlebnissen statt nach hypothetischer Kaufbereitschaft. Konkrete Situationen sind aufschlussreicher als ein freundliches „Würde ich kaufen“.
- Fragen Sie nach, wenn eine Aussage unklar bleibt. Lassen Sie sich erklären, was genau passiert ist und was eine Formulierung bedeutet.
- Halten Sie Pausen aus. Wenn Sie nicht sofort die nächste Frage stellen, kann Ihr Gegenüber den Gedanken ergänzen.
- Stellen Sie Ihren Kurs nicht früh im Gespräch vor. Sonst reagieren Menschen auf Ihre Idee, statt von ihrem eigenen Alltag zu erzählen.
Diese Techniken werden im Workbook auf „The Mom Test“ von Rob Fitzpatrick zurückgeführt. Der Zweck ist, Höflichkeitsantworten zu vermeiden. Sobald Sie Ihre Lösung ausführlich erklären, wächst die Gefahr, dass Menschen diese bewerten, statt Ihnen unverfälscht ihr Problem zu schildern.
Hören Sie auf Situation, konkreten Schmerz, bisherige Versuche und die Folgen des Problems. Auch tatsächlich ausgegebenes Geld, vertraute Informationsquellen, Einwände und die Rolle weiterer Entscheider helfen Ihnen weiter. Das ist keine Preisabfrage im luftleeren Raum: Frühere Käufe liefern greifbarere Hinweise als Wunschpreise für ein noch unbekanntes Angebot.
Das bevorzugte Lernformat gehört ebenfalls in diese Gespräche. Ob jemand ganze Tage freihalten kann, feste Termine braucht oder im eigenen Tempo lernen möchte, betrifft das Angebot selbst. Eine passende Kursidee kann am unpassenden Format scheitern. Die grundsätzlichen Unterschiede finden Sie unter Online-Kurs erstellen: Lohnt sich das?.
Wie werden aus Interviewnotizen brauchbare Erkenntnisse?
Die Auswertung beginnt direkt nach jedem Gespräch. Halten Sie in einer Drei-Minuten-Notiz fest, was Sie überrascht hat, bevor sich die Erinnerung glättet. Anschließend betrachten Sie alle Gesprächsnotizen gemeinsam. Welche Probleme oder Aussagen kommen mehrfach vor? Welche Schwierigkeiten werden besonders intensiv beschrieben? Die Kombination aus Häufigkeit und Stärke hilft bei der Gewichtung.
- Notieren Sie direkt nach dem Gespräch drei Sätze zu den überraschenden Erkenntnissen.
- Vergleichen Sie die Protokolle und markieren Sie Gemeinsamkeiten, die dreimal oder öfter vorkommen.
- Gewichten Sie die Probleme nach Häufigkeit und Stärke.
- Sammeln Sie aussagekräftige wörtliche Zitate in einer eigenen Liste.
- Prüfen und aktualisieren Sie Ihr bisheriges Idealkundenprofil anhand der Ergebnisse.
Das Ziel ist eine verdichtete Grundlage für Problem, Sprache, Preisanker, Format und Einwände. Ihre anfänglichen Annahmen dürfen sich dabei ändern. Wenn die Interviews nur bestätigen sollen, was Sie ohnehin bauen wollten, verlieren sie ihren wesentlichen Nutzen. Gerade widersprechende Aussagen helfen Ihnen, am tatsächlichen Bedarf zu arbeiten.
Wording-Mining bedeutet hier, die Sprache Ihrer Gesprächspartner für Ihre Kommunikation nutzbar zu machen. Wörtlich notierte Sätze können Überschriften, Betreffzeilen und Kursversprechen prägen. Fachbegriffe können im Unterricht sinnvoll bleiben, ohne die beste Sprache für den ersten Kontakt zu sein. Übersetzen Sie die Aussagen nicht vorschnell in Ihre eigene Fachsprache.
Wie unterscheiden sich Persona und Anti-Persona?
Eine Persona ist die Verdichtung Ihrer Gespräche zu einer konkreten Figur. Sie wird nicht frei erfunden. Nach dem Workbook sollte jede Eigenschaft aus mindestens zwei Interviews stammen. So wird die Figur zu einer verständlichen Zusammenfassung Ihrer Erkenntnisse und nicht zu einer Sammlung beliebiger persönlicher Details.
Eine gute Persona enthält Name, Alter und Rolle, einen knapp beschriebenen Alltag, das konkrete Problem, ein wörtliches Zitat, Kaufauslöser, Einwände und erreichbare Kanäle. Kaufunabhängige Fantasiedetails helfen nicht weiter. Die Persona begleitet Sie bei Skripten und E-Mails, damit Sie beim Formulieren an eine konkrete Situation denken.
Die Anti-Persona beschreibt dagegen, für wen Ihr Kurs ausdrücklich nicht gedacht ist. Sie legt Erwartungen offen und hilft, unpassende Käufe zu vermeiden. Ein Lernangebot kann beispielsweise Übung voraussetzen und zugleich deutlich machen, dass es keine individuelle rechtliche oder therapeutische Unterstützung bietet. Solche Grenzen gehören verständlich auf die Verkaufsseite.
Das ist keine Abwertung anderer Menschen. Sie beschreiben den Leistungsumfang Ihres Angebots. Wer eine andere Ausbildung, eine Lösung für eine akute Einzelfrage oder eine Abkürzung ohne Übung sucht, braucht möglicherweise etwas anderes. Klarheit schützt vor Versprechen, die Ihr Kurs nicht erfüllen kann.
Was ändern Marktumfeld, B2C und B2B an Ihrer Zielgruppenarbeit?
Betrachten Sie bestehende Angebote, statt nur Ihr eigenes Konzept zu beurteilen. Konkurrenz ist ein Hinweis darauf, dass für ein Thema bereits bezahlt wird; ein völlig leerer Markt ist kein automatisches Gütesiegel. Das Workbook empfiehlt die Suche über Google, Kursmarktplätze und Bildungsträger sowie ergänzend Fragen an eine KI. Besonders kritische Bewertungen zeigen, was Lernenden bisher fehlt.
Vergleichen Sie Format, Preis, Stärke und Lücke. Ein Buch, ein allgemeiner On-Demand-Kurs, ein Präsenzseminar und Einzelbegleitung lösen ähnliche Anliegen auf unterschiedliche Weise. Ihre Aufgabe ist nicht, alle zu ersetzen, sondern die aus Gesprächen erkannte Lücke zu verstehen: etwa fehlende Anleitung, zu wenig Übung oder Schwierigkeiten beim Transfer in den Alltag.
| Aspekt | B2C: Einzelpersonen | B2B: Unternehmen |
|---|---|---|
| Entscheidung | Kauft selbst; häufig schneller und emotional geprägt | Mehrere Beteiligte: Lernende, HR, Budget und Einkauf |
| Preislogik | Im Workbook meist 97–997 Euro | Pro Lizenz, Team oder pauschal; oft vierstellig |
| Verkaufsweg | Verkaufsseite, E-Mail und Social Media | Gespräch, Angebot und Referenzen |
| Formate | On-Demand, Live-Online und Mitgliedschaft | Blended, Inhouse und Lizenz im eigenen LMS |
| Zahlung | Karte, PayPal und Raten | Rechnung, Rahmenvertrag und Bestellnummer |
Diese im Workbook beschriebenen Unterschiede sind Orientierung, keine Vorgabe für Ihren Preis. Sie zeigen, warum Lernbedarf und Kaufentscheidung getrennt betrachtet werden müssen. Ein Einzelangebot kann schnell entschieden werden; ein Firmenauftrag braucht möglicherweise mehrere Freigaben und passende Rechnungsabläufe.
Mit diesem Zielgruppenverständnis ist noch kein Verkauf bewiesen. Es liefert die Grundlage für den nächsten Test: Kursidee validieren und Break-even berechnen. Erst dort prüfen Sie, ob aus einem erkannten Problem eine verbindliche Kaufentscheidung wird.
Zielgruppeninterviews auswerten
- 1
Sofortnotiz schreiben
Halten Sie direkt nach jedem Gespräch fest, was Sie überrascht hat.
- 2
Gemeinsamkeiten finden
Vergleichen Sie die Protokolle auf wiederkehrende Aussagen.
- 3
Probleme gewichten
Betrachten Sie Häufigkeit und Stärke der genannten Probleme.
- 4
Zitate sammeln
Sichern Sie aussagekräftige Sätze wörtlich.
- 5
Annahmen aktualisieren
Überarbeiten Sie das Idealkundenprofil anhand der Gespräche.