Wissen · Grundlagen

Online-Kurs erstellen: lohnt sich das?

Von Michael Lederer · Aktualisiert am

Was ist ein Online-Kurs?

Ein Online-Kurs ist ein Lernangebot, das Wissen digital vermittelt: live zu einem Termin, aufgezeichnet zum selbstständigen Abruf oder verbunden mit gemeinsamen Lernphasen. Es muss nicht ausschließlich aus Videos bestehen. Entscheidend ist, welches Ziel Ihre Teilnehmenden erreichen sollen und welches Format zu deren Alltag passt.

Für Fachleute kann ein Kurs die Verbindung zwischen Einkommen und persönlicher Anwesenheit lockern. Sie verkaufen nicht mehr ausschließlich Stunden oder Seminartage, sondern machen Ihr Wissen auch dann zugänglich, wenn Sie beraten, unterrichten oder nicht arbeiten. Die Erstellung bleibt allerdings aktive Arbeit. Ebenso bleiben nach dem Start Aufgaben für Pflege und Vermarktung.

Das Workbook „Mein Kurs, mein Business“ von Elevate beschreibt Zeit und Organisation als wichtige Engpässe der Weiterbildung: Menschen müssen freigestellt, Termine gefunden und Reisen organisiert werden. Ein gut aufgebauter Online- oder Blended-Kurs setzt hier an. Er bringt Inhalte zu Menschen, wenn das Lernen für sie passt, statt jedes Mal eine gemeinsame Anreise vorauszusetzen.

Als Marktdaten nennt das Workbook 41,3 Milliarden Euro Ausgaben deutscher Unternehmen für betriebliche Weiterbildung im Jahr 2019. Pro beschäftigter Person waren es mehr als 1.200 Euro jährlich, 16 Prozent mehr als 2016. Zugleich nennt es 18 Weiterbildungsstunden pro beschäftigter Person und Jahr, fast 90 Prozent davon während der Arbeitszeit. Quelle: IW-Weiterbildungserhebung 2020, Institut der deutschen Wirtschaft, Dezember 2020. Diese Angaben beschreiben den Markt, nicht den gesicherten Absatz Ihres eigenen Angebots.

Warum zählen Fachwissen und Vertrauen?

Allgemeines Wissen ist leicht verfügbar. KI kann Gliederungen und Skriptentwürfe schnell liefern. Was für einen Fachkurs deshalb besonders zählt, sind Ihre Erfahrung, Ihre Fälle und Ihre Art, schwierige Sachverhalte verständlich zu erklären. Menschen müssen erkennen können, welches konkrete Problem das Angebot löst und warum sie Ihrer Vermittlung vertrauen können.

Ausbildung, Prüfung und jahrelange Praxis schaffen dafür eine glaubwürdige Grundlage. Sie ersetzen aber nicht die Arbeit am Angebot. Umfangreiches Wissen allein macht noch keinen passenden Kurs. Es muss ausgewählt, auf eine konkrete Situation bezogen und nachvollziehbar vermittelt werden. Ihre fachliche Glaubwürdigkeit wird dann nutzbar, wenn Lernende einen Bezug zu ihrer eigenen Aufgabe erkennen.

Ein Kurs erweitert außerdem die mögliche Reichweite Ihrer Arbeit. Ohne Anfahrt und Raummiete können Menschen an unterschiedlichen Orten auf dasselbe Wissen zugreifen. Das Gelernte wirkt über die einzelnen Teilnehmenden hinaus, wenn diese es in ihren Alltag und ihre Teams tragen. Die Wirkung bleibt damit weniger eng an Ihre persönlich verfügbaren Termine gebunden.

Welches Format passt zu Ihrem Ziel?

Wählen Sie das Format nach Ziel und Zielgruppe, nicht nach der zuerst gefundenen Plattform. Praktische Übungen, Austausch, selbstständiges Lernen und firmeninterne Nutzung haben unterschiedliche Anforderungen. Ein aufgezeichneter Kurs kann einen Teil davon erfüllen; für andere Ziele sind gemeinsame Termine oder Präsenz sinnvoll.

FormatBeschreibungStärkeGrenzePreislogik
Präsenz und LehrgangSeminar oder mehrtägiger Lehrgang vor OrtPraxisübungen, Beziehung, NetzwerkRaum, Anreise, begrenzte Plätze, AusfallrisikoPro Platz; Frühbucher- und Gruppenpreise
Live-OnlineSeminar oder Workshop per Video mit festem TerminAustausch und Fragen ohne ReiseTerminbindung, Nichterscheinen, BildschirmmüdigkeitPro Termin oder Reihe
On-DemandAufgezeichneter Kurs, jederzeit abrufbarReichweite und Nutzung ohne AnwesenheitMotivation und Abschlussquote; Didaktik muss tragenEinmalig, Ratenzahlung, Lizenz
BlendedOn-Demand-Grundlagen plus Live- oder PräsenztermineTransfer in die Praxis und LernwirkungAufwendigere OrganisationPaketpreis, Kohorten
Inhouse und LizenzKurs für ein Unternehmen oder TeamPlanbare Abschlüsse und hoher Umsatz pro AbschlussLängerer VerkaufsprozessPauschale, pro Kopf, Jahreslizenz
MitgliedschaftLaufender Zugang zu Inhalten und CommunityWiederkehrender Umsatz und BindungSie müssen laufend liefernMonatlich oder jährlich

Diese Formen lassen sich kombinieren: etwa ein On-Demand-Kern mit Live-Terminen, ein Präsenzangebot zur Vertiefung und Lizenzen für Unternehmen. Daraus folgt nicht, dass Sie alles gleichzeitig anbieten müssen. Beginnen Sie bei der Lernaufgabe. Die Verbindung von Formaten und Lernzielen vertieft Curriculum und Lernziele erstellen.

Was steckt hinter Fünf-Minuten-Versprechen?

Ein Kursgerüst ist noch kein Kurs. Eine Plattform kann Ihnen ermöglichen, innerhalb kurzer Zeit eine leere Struktur anzulegen. Sie nimmt Ihnen damit aber weder die Entscheidung über passende Inhalte noch die didaktische Arbeit und den Vertrieb ab. Eine einfache Oberfläche darf nicht mit einem fertigen Geschäftsmodell verwechselt werden.

WerbeversprechenRealistische Einordnung
Kurs in fünf Minuten erstellenIn dieser Zeit entsteht ein leeres Gerüst, kein ausgearbeiteter Kurs.
Ohne Technikkenntnisse startenDas kann für die Plattform gelten, nicht für Ton, Licht, Didaktik und Marketing.
Sofort Geld verdienenZielgruppe, E-Mail-Liste und eine Strategie für den Verkaufsstart bleiben nötig.
Passives Einkommen von Anfang anDie Erstellung ist aktive Arbeit, auch wenn die spätere Nutzung ohne Ihre Anwesenheit möglich ist.
KI macht den KursEntwürfe ersetzen nicht Ihre Praxis, Ihre Fälle und Ihre Stimme.
Kein Vorwissen nötigPositionierung, Vermittlung und Vertrieb müssen trotzdem erarbeitet werden.

Diese Einordnung bedeutet nicht, dass ein Kurs unerreichbar aufwendig wäre. Sie macht lediglich sichtbar, welche Arbeit hinter einem tragfähigen Angebot steht. Wenn Sie den Aufwand kennen, können Sie Phasen planen, Prioritäten setzen und eine erste Version entwickeln, statt nach der Einrichtung der Plattform von den eigentlichen Aufgaben überrascht zu werden.

Wie viel Zeit brauchen Sie bis zum ersten Verkaufsstart?

Für sechs bis zehn Module mit solider Produktion nennt das Workbook insgesamt 160 bis 340 Stunden bis zum ersten Launch. Es handelt sich um Erfahrungswerte aus Kursprojekten und nicht um eine Garantie. Wichtig ist die vollständige Betrachtung: Aufnehmen und Schneiden sind nur ein Teil des Projekts.

PhaseAufgabenStunden laut Workbook
Konzept und ZielgruppeIdealkundenprofil, Interviews, Kursidee, Validierung20–40
Recherche und LernzieleQuellen, Fachrecherche, Lernziele, Curriculum15–30
Skript und MaterialDrehbücher, Folien, Begleitmaterial40–80
Aufnahme und SchnittVideo, Ton, Nachbearbeitung, Untertitel, Upload40–100
Plattform und TechnikEinrichtung, Zahlung, Automatisierung, Rechtstexte15–30
Launch und MarketingE-Mails, Verkaufsseite, Kampagne30–60
Laufender BetriebSupport, Updates, Community, Marketing2–5 pro Monat

Bei acht bis zehn Stunden pro Woche nennt das Workbook vier bis acht Monate, bei vier bis fünf Stunden pro Woche acht bis 18 Monate. Diese Zeiträume sind Planungshilfen, keine Zusage für jedes Projekt. Sie zeigen, warum ein nebenberuflicher Kurs nicht nur ein freies Wochenende für die Kamera braucht, sondern wiederkehrende Arbeitsblöcke über einen längeren Zeitraum.

KI-Werkzeuge können vor allem Skript und Schnitt verkürzen. Zielgruppenverständnis, Nachfrageprüfung und Vertrieb werden dadurch nicht überflüssig. Wer nur die Produktion beschleunigt, hat noch nicht geprüft, ob das Angebot gekauft wird. Reservieren Sie deshalb auch Zeit für Gespräche und Validierung, bevor die vollständige Aufnahme beginnt.

Welche Chancen und Risiken sind realistisch?

Ein Kurs kann Ihr Einkommen diversifizieren, Ihre fachliche Position stärken und Ihr Wissen über Ihre persönliche Kapazität hinaus verbreiten. Ein dauerhaft verfügbares Angebot kann nach dem ersten Verkaufsstart weiter genutzt und verkauft werden. Gerade in einer Tätigkeit, die stark an Ihre Person gebunden ist, kann das bei Urlaub, Elternzeit oder Krankheit eine zusätzliche Absicherung darstellen.

Ein weiterer Weg sind Lizenzen für Unternehmen. Derselbe Kurs lässt sich dann nicht nur als einzelner Platz, sondern als Angebot für ein Team verkaufen. Das Workbook beschreibt dies als zusätzlichen Hebel. Auch hier entsteht Umsatz nicht automatisch: Firmen benötigen ein passendes Angebot und haben häufig einen längeren Verkaufsprozess.

  • Zeit unterschätzen: Planen Sie das vollständige Projekt und teilen Sie es in Arbeitsblöcke.
  • Keinen Markt finden: Validieren Sie die Nachfrage vor der Produktion.
  • Perfektionismus: Beginnen Sie mit einer Pilotgruppe und verbessern Sie das Angebot anhand von Rückmeldungen.
  • Technische Überforderung: Für die erste Version nennt das Workbook Smartphone, Ansteckmikrofon und Tageslicht.
  • Preisangst: Denken Sie an die Veränderung für die Lernenden statt an die Länge der Videos.

Diese Risiken lassen sich getrennt bearbeiten. Kursidee validieren unterstützt die Nachfrageprüfung, Online-Kurs produzieren behandelt die Umsetzung. Für die Wertorientierung lesen Sie Preis für Online-Kurs und Seminar festlegen. Sie müssen nicht alles gleichzeitig perfekt lösen.

Welche rechtlichen Grenzen gelten?

Allgemeines Wissen weiterzugeben ist für die meisten Fachleute in der Regel ohne besondere Zulassung möglich. Heikel wird es, wenn allgemeine Wissensvermittlung in eine geschützte Tätigkeit übergeht, etwa Heilbehandlung oder Rechts- beziehungsweise Steuerberatung im Einzelfall. Auch Werbung unterliegt Grenzen. Ein Kurs darf nicht mehr versprechen, als er tatsächlich leisten kann.

Das Workbook nennt Methoden, Grundlagen, Werkzeuge und allgemeine Anleitungen als typische Inhalte. Live-Fragerunden sollen fachlichen Charakter behalten und nicht in Einzelfallberatung übergehen. Ein Hinweis, dass der Kurs keine individuelle Beratung oder Behandlung ersetzt, gehört zur Klarstellung. Er ersetzt jedoch keine Prüfung, ob die angebotene Tätigkeit selbst zulässig ist.

Bei reglementierten Berufen sind Berufsordnungen und Werberegeln zu beachten. Prüfen Sie insbesondere Heilversprechen, Krankheitsbezüge, Garantien und Titel, die eine nicht vorhandene staatliche Anerkennung suggerieren. Im Angestelltenverhältnis oder öffentlichen Dienst ist eine Nebentätigkeit anzuzeigen. Wissen des Arbeitgebers darf nicht einfach für das eigene Angebot verwendet werden.

Für Deutschland verweist das Workbook auf den BGH, Urteil vom 12. Juni 2025, III ZR 109/24, zusammengefasst unter anderem von der IHK Karlsruhe. Nach seiner Darstellung sind entgeltliche Wissensvermittlung, überwiegende räumliche Trennung und eine Möglichkeit zur Lernerfolgskontrolle für das Fernunterrichtsschutzgesetz relevant. Die Kontrolle wird weit verstanden; Möglichkeiten für Fragen können bereits Bedeutung haben.

Laut Workbook können auch Unternehmer geschützt sein. Fehlt eine erforderliche Zulassung der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht, drohen Nichtigkeit des Vertrags und Rückzahlung der Vergütung. Prüfen Sie das konkrete Format vor dem Verkauf. Selbstlern-, Live- oder Präsenzanteile sind keine pauschale rechtliche Freigabe. Auch Anbieter aus Österreich und der Schweiz müssen Verkäufe nach Deutschland mitdenken.

Dies ist kein Rechtsrat. Ansprechpartner sind Kammer, Berufsverband oder Rechtsberatung sowie je nach Land Gewerbeamt beziehungsweise IHK, WKO-Gründerservice oder kantonale Stellen. Eine Vertiefung bietet Recht und Steuern für Online-Kurse im DACH-Raum.

Wann lohnt sich der nächste Schritt?

Ein Kurs ist keine Abkürzung, sondern ein Weg, Ihr Wissen anders zugänglich zu machen. Er kann sich lohnen, wenn ein klarer Lernbedarf auf belastbare Erfahrung trifft und Sie die Arbeit an Konzeption, Produktion und Vertrieb realistisch einplanen. Die Größe des Weiterbildungsmarkts allein beantwortet diese Frage nicht.

Sie müssen dafür nicht sofort mehrere Formate oder eine ganze Akademie aufbauen. Zunächst zählt, wem Ihr Wissen bei welchem konkreten Problem hilft. Bevor Sie Videos aufnehmen oder eine Plattform einrichten, folgt deshalb die Zielgruppenarbeit für Ihren Online-Kurs. Sie schafft die Grundlage für die spätere Entscheidung, ob und wie Sie Ihr Angebot tatsächlich umsetzen.

Wenn Sie es nicht allein machen möchten

Ihre Akademie beginnt mit einem Gespräch.

Erstgespräch vereinbaren